"Die Aufgabe ... von wirklich guter Therapie ist ...
das große Erwachen, das Zu-Sinnen-Kommen, Aufwachen aus seinem Traum - vor allem aus seinem
Alptraum. Wir können damit schon anfangen, indem wir erkennen, dass wir Rollen spielen
im Theater des Lebens, indem wir verstehen, dass wir immer in einem Trancezustand sind
... wir spielen all diese Spielchen, bis wir zu Sinnen kommen.
Wenn wir zu unseren Sinnen kommen, fangen wir an, unsere Bedürfnisse
und Befriedigungen zu sehen, zu fühlen, zu erleben, anstatt Rollen zu spielen und eine
ganze Menge an Requisiten dafür zu brauchen - Häuser, Autos, Aberdutzende von Kostümen ...
die Millionen unnötigen Ballasts, den wir uns aufbürden, und wir sehen dabei nicht ein,
dass uns sowieso aller Besitz nur auf Zeit gegeben ist ...
Nun, die Idee des Aufwachens und Wirklichwerdens bedeutet,
mit dem zu existieren, war wir haben, dem wirklichen vollen Potential, einem reichen
Leben, tiefen Erfahrungen, Freude, Wut - wirklich sein und keine wandelnden Leichen.
Das ist die Bedeutung der echten Therapie, der wirklichen Reifung, des wirklichen
Aufwachens ..."
(Fritz Perls)
Das Gestalt-Zentrum Tübingen bietet in Zusammenarbeit mit der Fortbildungsstelle
im Psychotherapeutischen Zentrum Stuttgart eine dreijährige Ausbildung in Gestalttherapie an.
Zielgruppe sind psychotherapeutisch, beratend oder pädagogisch Tätige, die in ihrem
spezifischen Berufsfeld gestalttherapeutisch arbeiten und hierfür einen eigenen
persönlichen Stil ausbilden wollen.
Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Ausbildung ist die Teilnahme an einem
Einführungswochenende.
Da die Anpassung an institutionelle Weiterbildungsrichtlinien entfällt und
die Gruppe sehr klein ist (ca. 12 Teilnehmer), ist es möglich, die sehr
individuelle Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen und maximal zu fördern.
Grundlegend für gestalttherapeutisches Arbeiten ist die persönliche Kompetenz des
Therapeuten. Sie besteht in seiner Fähigkeit, in der Beziehung zum Klienten als
eigene Person ganz da zu sein, erreichbar zu sein, und sich entsprechend und verständlich
zum Ausdruck zu bringen, sowie dem Klienten in einer Ich-Du-Haltung möglichst frei von
Rollen als eine in seiner Individualität erkennbare Person gegenüberzutreten und
zu begegnen.
Dies erfordert ein hohes Maß an Bewusstheit und Kenntnis der eigenen Person sowie
an Kontakt- und Beziehungsfähigkeit. Diesbezügliche Einschränkungen und Blockierungen
werden hauptsächlich im Rahmen der Eigentherapie bearbeitet.
Die professionelle Kompetenz des Therapeuten liegt in der Fähigkeit
und dem Wissen, wie und in welcher Form er seine persönliche Kompetenz für
die therapeutische Situation zur Unterstützung des Klienten nutzen kann.
Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung sind daher:
- Präsenz (aktive Gegenwärtigkeit) und Kontaktfähigkeit des/der TherapeutIn
- Beziehungsgestaltung (Dialogfähigkeit) in der Gestalttherapie
- Praktische Wahrnehmungs- und Handlungsfertigkeiten (Basic Skill-/Kompetenztraining)
- Erfahrungsbezogenes und theoretisches Verständnis grundlegender gestalttherapeutischer Konzepte (v. a. gestalttherapeutische Grundhaltungen, Verständnis des Veränderungsprozesses, Bedürfniskonzept, "Störungs-" Verständnis in der Gestalttherapie, Bewusstheit, Kontakt, Verantwortung)
- Spezielle Techniken und Interventionsmodi
Entsprechend dieser Auffassung von gestalttherapeutischer Kompetenz und vor
dem Hintergrund der genannten Schwerpunktsetzung ergeben sich vier aufeinander
bezogene Bereiche:
1. Selbsterfahrung
Die TeilnehmerInnen lernen die gestalttherapeutische Arbeitsweise zunächst in intensiver
Selbsterfahrung über die Auseinandersetzung und Arbeit mit der eigenen Person im Rahmen der
Gruppe kennen.
Eine andere Form der Selbsterfahrung ist die Gestaltlehrtherapie. Sie wird als
Einzeltherapie bei einem anerkannten Lehrtherapeuten von den Teilnehmern
selbständig organisiert.
2. Theorie
Die Theoriearbeit in der Gruppe findet hauptsächlich als gemeinsame Reflexion der in der
Gruppe erlebten Prozesse statt. Sie wird anhand der Literatur im Selbststudium vor- und
nachbereitet.
Die so realisierte enge Verbindung von Theorie und Praxis vermittelt ein
ganzheitliches Verständnis von Gestalttherapie.
3. Training
Das praktische Einüben therapeutischer Fertigkeiten und Techniken geschieht
schwerpunktmäßig im 2. Ausbildungsjahr. Die Grundfertigkeiten (Basic Skills) werden
bereits im 1. Jahr vermittelt.
Die Arbeit der Teilnehmer miteinander in Triaden (als Klient,
Therapeut, Beobachter) nimmt hier einen breiten Raum ein.
4. Supervision
Im 3. Ausbildungsjahr kommt vermehrt Supervisionsarbeit zur Geltung.
Im Vordergrund steht die Live-Supervision, bei der zwei Teilnehmer
miteinander als Klient und Therapeut unter direkter Supervision des/der
Leiters/in in der Gruppe arbeiten.
Hier wie auch schon im Trainingsteil sind therapeutische Effekte bei KlientInnen
willkommen. Im Mittelpunkt steht jedoch das Erleben und Verhalten des/der Therapeuten/in
sowie möglicherweise dessen/deren eigene anschließende persönliche Arbeit als Klient.
Bei der berufsfeldspezifischen Praxis-Supervision wird die konkrete Arbeit der TeilnehmerInnen
in ihren jeweiligen Praxisfeldern im Rahmen der Ausbildungsgruppe supervidiert.
Zusätzlich zu den Treffen der Ausbildungsgruppe organisieren sich die TeilnehmerInnen
in regionalen Peer-Gruppen, um sich gegenseitig mit Supervision und theoretischen
Diskussionen zu unterstützen.
Die Ausbildung dauert 3 Jahre mit insgesamt 600 Stunden.
Jedes Ausbildungsjahr umfasst 8 verlängerte Wochenenden von je 20 Stunden und
ein 1-wöchiges auswärtiges Intensivseminar von 40 Stunden.
Eine verbindliche Anmeldung erfolgt immer für jeweils ein Ausbildungsjahr.
Die erfolgreiche Ausbildung wird mit einem spezifizierten Zertifikat dokumentiert.
Eine befriedigende Teilnahme an dieser Ausbildung erfordert persönliches Engagement.
Sie kann eingreifende Veränderungen im privaten, sozialen und beruflichen Leben der
TeilnehmerInnen in Gang setzen. Von daher ist sie nur für solche Menschen sinnvoll,
die grundsätzlich hierzu auch bereit sind.
Empfohlene Literatur:
Doubrawa, Erhard & Staemmler, Frank-M. (Hg.) (1999). Heilende Beziehung - Dialogische Gestalttherapie. Wuppertal, Hammer
Hartmann-Kottek, Lotte (2004). Gestalttherapie. Berlin, Springer
Perls, Frederick S. (2002). Gestalt-Therapie in Aktion. Stuttgart, Klett-Cotta
Pohl, Winfried & Sämann, Gisela (2008). Effektive Kommunikation. Die Kunst der Beziehungsgestaltung im beruflichen Alltag. Bergisch Gladbach, Edition Humanistische Psychologie (EHP)
Staemmler, Frank-M. & Bock, Werner (1998). Ganzheitliche Veränderung in der Gestalttherapie. Wuppertal, Peter Hammer
Yontef, Gary M. (1999). Awareness, Dialog, Prozess. Wege zu einer relationalen Gestalttherapie. Bergisch-Gladbach, Edition Humanistische Psychologie (EHP)
| Leitung |
 |
Dipl.-Psych. Winfried Pohl
Dipl.-Soz.päd. Petra Hering |
| |
| Teilnehmer |
 |
Ca. 12 Personen |
| |
| Ort |
 |
Stuttgart/Tübingen |
| |
| Termine |
 |
Beginn: 29.-31.01.2010
[Seminarzeiten: Fr. 18-21.30, Sa. 9-17.30 und So. 9-13 Uhr]
|
| |
| Kosten |
 |
1. Ausbildungsjahr: EUR 2.400,-
2.+3. Ausbildungsjahr: je EUR 2.300,- |
| |
| Anmeldung |
 |
fortbildung1.de
Fortbildungsstelle
Christian-Belser-Str. 79a
D-70597 Stuttgart (Sonnenberg)
Fon 0711/6781421
www.fortbildung1.de
|
| |
|
Bewerbungs- und Anmeldeschluss ist jeweils der 22.12. des Jahrs zuvor.
|
|